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Der „Ritter von Jois“

Spätgotische Lichtsäule weist den Weg

Spektakulärer Fund

Im Herbst 1973 wurde bei Baggerarbeiten anlässlich eines Hausbaus in Jois (Untere Hauptstraße 2 – siehe Station 52 – Verlinkung) eine in zwei Teile zerbrochene Tonfigur gefunden. Die Tonfigur ist 42,5 cm hoch und steht auf einer Standfläche mit einem Durchmesser von 15 cm. Sie wurde vom Hausbesitzer zunächst der Gemeinde Jois und hernach dem Burgenländischen Landesmuseum in Eisenstadt übergeben. Tonfiguren in der Art dieser Figur sind aus dem Mittelalter kaum bekannt. Der „Ritter von Jois“ ist von kunsthistorischer Bedeutung. 

Wer ist dargestellt?
Die Figur stellt eine männliche Person in der Tracht eines Adeligen dar. Um seine Hüfte liegt ein Gürtel, an dem ein Kurzschwert oder ein Dolch mit breitem Griff hängt. Kennzeichnend für die Oberbekleidung ist ein um den Schultergürtel laufender, mit kreisförmigen Einstichen versehener Tonwulst, der im Rücken zipfelförmig absteht und nach unten in einer Schlinge endet. Die Figur wird als „Ritter von Jois“ bezeichnet. 

Wann und wo entstand die Figur?
Als Entstehungszeit dieser Figur wird die Zeitspanne von ca. 1360 bis 1380 angenommen. Die Figur besteht aus einem, im Spätmittelalter allgemein üblichen grauen, steinchengemagerten gebrannten Ton, wie er vor allem in Wien und Niederösterreich verbreitet war. Im Burgenland wurde zu dieser Zeit ein rötlicher, oxydierend gebrannter Ton bevorzugt, weshalb anzunehmen ist, dass die Tonfigur in einer donauländischen Werkstatt Niederösterreichs oder in Wien hergestellt wurde. Sie findet ihre nächsten Parallelen am ehesten in den figürlich ausgestalteten Aquamanilien (Gießgefäßen), die in bestimmten Hafnerwerkstätten hergestellt wurden. 

Was hat die Figur mit den Heiligen Drei Königen zu tun?
Die Figur dürfte, wie die Weisen aus dem Morgenland, ehemals mit der rechten Hand einen Gegenstand in Brusthöhe (im Bereich der Bruchstelle) dargeboten haben, weshalb sie als einer der Heiligen Drei Könige interpretiert wird. Die Figur könnte vielleicht mit dem Drei Könige-Benefizium (siehe Station 52) oder mit dem Drei Könige-Altar der Kirche in Verbindung stehen. 

Wo kann man die Figur sehen?
Wer neugierig geworden ist und Lust hat, die Figur zu sehen, besucht das Museum Jois, wo eine 1:1-Kopie der Figur ausgestellt ist. Viel Spaß beim Erkunden von Jois!

Literatur
Franz Hillinger, Jois. Geschichte der Pfarre, Jois 2021, S. 28

Franz Hillinger, Jois. 800 Jahre und mehr, hg. von der Marktgemeinde Jois, Jois 2008, S. 72

Sabine Felgenhauer-Schmiedt, Eine mittelalterliche Tonfigur aus Jois, in: Urgeschichte – Römerzeit – Mittelalter. Materialien zur Archäologie und Landeskunde des Burgenlandes (Wissenschaftliche Arbeiten aus dem Burgenland, Bd. 69), Eisenstadt 1984, S. 166-174

Nr. 51
Entstanden
ca. 1360 – 1380
Fundstelle
Herbst 1973 / Jois, Untere Hauptstraße 2
Präsentation
Original im Burgenländischen Landesmuseum, Inv.Nr. 29.325
Kopie im Museum Jois
Eigentümer
Landesmuseum Burgenland (Original)
Museum Jois (Kopie)