Ortsentwicklung

Vom Ursprung zum Zentrum

Hier wird die Siedlungsentwicklung von Jois erörtert. Die Entwicklung von Hofformen anhand von Beispielen in Jois sowie der Wandel des Ortsbildes anhand von Fotos und Kartenmaterial dargestellt.

Einige Textpassagen wurden der Diplomarbeit: Regionalentwicklung – Marktgemeinde Jois: Revitalisierung: “Pfarrstadl”, vom 06.04.2021, verfasst von Peter Füzi, mit der Zustimmung des Autors entnommen.

Wie entwickelte sich Jois?
Anhand des historischen Kartenmaterials ist von einer klassischen Angerdorfsiedlung, ausgehend von einer Besiedelung rund um den Hauptplatz mit der historischen Quelle als Wasserversorgung, auszugehen. Die umgebenden Höfe sind dicht und in geschlossener Bauweise nebeneinander geordnet, wobei sich das Wohngebäude zum Anger hin orientiert und an der Hinterseite des Hofes wird meist mit einem quergestellten Stadl abgeschlossen. Dadurch ergibt sich die typisch burgenländische „Stadlreihe“ und der sogenannte „Hintausweg“.

Später entwickelte sich die Besiedelung östlich entlang der Unteren Hauptstraße mit schmalen jedoch langgestreckten Grundstücken als Straßendorf. Die weitere Besiedlung erfolgte über die Obere Hauptstraße und Josef Haydngasse. An der Luftaufnahme von 1935/40 ist diese Entwicklung gut ablesbar.

Diese historische Entwicklung vom Angerdorf zum Straßendorf ist auch an der Landesaufnahme von 1873 erkennbar. Das Straßendorf als typisch burgenländische Siedlungsstruktur ist eine regelmäßige und geordnete Besiedlung, jedoch ohne Anger und nur entlang eines Straßenzuges, aufgebaut. Es lässt sich an den Gehöften, welche sich nebeneinander auf ähnlich großen Grundstücken und meist mit zur Straße hingerichteten Giebeln erkennen. Die hintere Seite des Grundstückes wird meist mit einem Wirtschaftshaus bzw. Stadl abgeschlossen. Somit ergibt sich auch bei dieser Struktur die traditionelle „Stadlreihe“ und dadurch ein ländliches und geschlossenes Ortsbild.

Die Straße, welche sich zwischen den Hausfronten befindet, kann zwischen 5 und 20 Meter breit sein. In Jois im Bereich Untere und Obere Hauptstraße sowie in der Josef Haydngasse wurde diese Siedlungsform angewendet.

Welche Hofformen gab und gibt es in Jois?
Nach den Ausführungen zu den in Jois vorhandenen historischen Siedlungsformen wie Anger- und Straßendorf, gilt es die kleinste Einheit der Siedlung – das Gehöft näher zu untersuchen. Die kleinste Einheit der Siedlung bestimmt doch maßgeblich die Erscheinungsform und das Ortsbild.

Grundsätzlich gibt es zwei Arten von Höfen im Burgenland: jene Höfe, welche sich in der Gebäudelängsachse erstrecken und weiterentwickelt haben und die Edelhöfe, die zumeist am früheren Ortsrand oder sogar außerhalb einer Ortschaft erbaut wurden. Somit liegen diese ursprünglich nicht im Ortsverbund.

Historisch gesehen, war die ursprüngliche Nutzung eines traditionellen burgenländischen Gehöftes eine Kombination eines Wohnhauses zum Leben und eines Wirtschaftsgebäudes (Bauernhof) zum Arbeiten, angeordnet auf einem Grundstück (auf einer Parzelle). Als Anforderung eines Gehöftes mussten die vier Funktionsgruppen Wohnen, Vorratshaltung, Viehhaltung und Geräteaufbewahrung vorhanden sein und in getrennten Gebäuden bzw. Gebäudeteilen erfüllt werden. Zusätzlich beeinflussten das in der Region vorkommende Baumaterial, das Klima, die Topografie und die Wirtschaftsweise des Betriebes die Form und das Erscheinungsbild des Hofes. Trotz dieser diversen Einflussfaktoren weisen die Höfe im Burgenland, insbesondere im Nordburgenland, ein relativ einheitliches Erscheinungsbild auf. Wenn man bedenkt, dass es auch schon früher eine große Spanne bei den Besitz- und Einkommensverhältnissen gab, ist dies keine Selbstverständlichkeit.

Streckhöfe 1-/2-/3- seitig
Die Form des Streckhofes entstand aus der archaischen Urform des multifunktionalen einzelligen Wohnraumes, welche im Burgenland fast nicht mehr erkennbar ist, da sie im Streckhof integriert wurde. Stand hier die gemeinsame Unterbringung von Mensch, Tier, Vorräten und sonstigen Dingen (Geräte, Handwerk, etc.) im Vordergrund, so wurde einerseits durch zunehmenden Wohlstand und andererseits den steigenden Grundbedürfnissen die Wohnstruktur abgewandelt. Es erfolgte eine räumliche Trennung zwischen Mensch und Tier. Zu späterer Zeit wurden durch das Aneinanderfügen

von unterschiedlichen Räumen mit unterschiedlichen Nutzungen (Kochen, Schlafen, Vorräte lagern, Werkstatt/Produktion, Stallungen, etc.) eine gestreckte Ausdehnung der Objekte erzielt. Neben der Erweiterung in Längsrichtung wurden Höfe häufig in Bezug auf die Wirtschaftsform des Besitzers ausgebaut. So wurde etwa ein Presshaus samt Weinkeller bei Weinbaubetrieben angefügt, bei anderen Wirtschaftsformen wurde eine Bäckerei, eine Werkstatt oder ein Schlachtraum in einem Fleischereibetrieb hinzugefügt. 

Grundsätzlich können Streckhöfe als Kurz- oder Langstreckhof bezeichnet werden. 

Bei den kurzen Streckhöfen befinden sich alle Räume unter einem Dach und somit einem durchgehenden gleich hohen First. Die langen Streckhöfe sind aufgrund ihrer unterschiedlich hohen Dachfirste zu erkennen, denn diese bestehen aus mehreren Gebäudeteilen. Im Burgenland kommt diese Hofform fast ausschließlich mit einem Walm- und Schöpfwalmdach oder einem Satteldach mit einem zur Straße orientieren Giebel vor.

Aufgrund der verschiedenen Einflussfaktoren und etlichen Mischformen gibt es eine Vielzahl an verschiedenen Hofformen.

Zu den verwendeten Baumaterialien ist auszuführen, dass die frühesten Objekte mit luftgetrockneten Lehmziegeln errichtet wurden. Die Dachflächen waren mit Stroh, Schilf oder Holzschindeln gedeckt. Diese verwendeten Materialien sind in unmittelbarer Umgebung der Siedlungen (z.B. im Schilfgürtel des Neusiedler Sees, etc.) verfügbar. Vor allem in den ärmeren Häusern bestand der Fußboden aus gestampftem Lehm. Mit zunehmendem Wohlstand, sowie der Industrialisierung geschuldet, wurden die Wände ab ca. 1700 meist aus reinem Naturstein und später mit gebrannten Tonziegeln aus den nahen Ziegelbrennereien (z.B.: „Neusiedler Ziegelofen“) ausgeführt. Die Dacheindeckung erfolgte alsdann aus industriell gefertigten Tondachziegeln.

Die nachstehende Abbildung zeigt eine Übersicht der unterschiedlichen Hofformen. Nur jene Höfe, welche sich in dem Rechteck befinden sind üblicherweise im Nordburgenland aufzufinden.

Einseitiger Streckhof
Der Einseithof sowie der Anbauhof besteht nur aus einem oder mehreren hintereinander gereihten Gebäuden, welche in Längsrichtung verlaufen. Somit zeigt die kurze Seite, zumeist mit Giebel, zur Straße. Die verbleibende Grundstücksbreite wird durch eine geschoßhohe Mauer mit einem Einfahrtstor beschlossen.

Zweiseitiger Streckhof
Der Zweiseithof kann, sowie der Hakenhof, einen Längsteil haben, welcher in Längsrichtung der Parzelle verläuft und einen Querteil, der parallel zur Straße verläuft. Diese Hofform kann entweder mit dem Längsteil, also dem Giebel, zur Straße hingerichtet sein oder die Traufe des Querteils kann straßenseitig orientiert sein.

Eine dritte Möglichkeit dieser Hofform ist, dass zwei Streckhöfe nebeneinander erbaut wurden und der Garten inzwischen liegt, womit zwei kurze Seiten mit Giebelfronten oder Walmdächern zur Straße gerichtet sind. Aufgrund der unterschiedlichen Fassadengestaltung ist erkennbar, dass es sich um zwei getrennte Wohneinheiten handelt. Durch unterschiedliche Erbfolge und/oder Verkäufe kann es bei dieser Hofform langfristig zu Grundstücksteilungen und somit zu den sogenannten Halbwirtschaften kommen. Der Innenhof wird dabei weiterhin gemeinschaftlich genutzt und die Wohn- und Nebengebäude werden über diesen Innenhof erschlossen. Diese Halbwirtschaften sind grundsätzlich bei allen Arten von Streckhöfen möglich, bei zweiseitigen Streckhöfen aber – abhängig von der Grundstücksbreite – baulich am einfachsten zu realisieren, da beide Gebäude zur Straße hin gleichwertig sind.

Edelhöfe
Eine weitere Hofform, welche in Jois und in der Umgebung zu finden ist, ist der sogenannte „Edelhof“, eine Sonderform der Besiedelungsstruktur.

Zur Entstehung: Das Wort „edel“ leitet sich von adelig, welches wiederum von Adel stammt, ab. Der König als oberster Grundherr schenkte Rittern, Adeligen, hohen Beamten und anderen Personen, die sich durch Verdienste und Erfolge zugunsten der Grundherrschaft auszeichneten, solche Edelhöfe als Belohnung.

Grundsätzlich entwickelten sich Edelhöfe aus dem Lehenswesen, welches seit dem 11. Jahrhundert besteht. Der Lehensbegünstigte verpflichtete sich, die Stellung des Lehensgutes zu verbessern. Gleichzeitig wurde dadurch ein Bollwerk gegen die Bedrohung des osmanischen Reiches erzielt. Nach der ersten Türkenbelagerung von Wien um 1568 und den dadurch entstandenen Verwüstungen im pannonischen Raum wurde durch die Vergabe von Edelhöfen eine dauerhafte Wiederbesiedelung des verwüsteten Siedlungsgebietes erreicht. Durch dieses Wachstum der Siedlung, welches eine Steigerung der Produktivität erzielte, profitierte letztendlich wiederrum die jeweilige Grundherrschaft, die den Edelhof vergab.

Die Edelhöfe wurden auch Freihöfe genannt, da diese von Abgaben (z.B. Neunt-Abgabe, etc.) und anderen Dienstleistungen (z.B. Robotleistung, Einquartierungen, etc.) zugunsten der Grundherrschaft befreit waren. Edelhöfe waren vererbbar und kaufbar und daher sehr begehrt. Diese Gehöfte stellen in der Dorfstruktur kleine, jedoch eigenständige Wirtschaftseinheiten dar.

Die Edelhöfe waren den adeligen Besitzern entsprechend repräsentativ, gut ausgestattet und solide gebaut wie an den verbliebenen Objekten immer noch erkennbar ist. Die Objekte weisen meist ein Erd- und ein Obergeschoss auf. Durch dieses mehrgeschossige Objektvolumen wird eine massive Abhebung von den umgebenden, eingeschossigen, bäuerlichen Objekten des Dorfes erreicht. Neben den repräsentativen Wohnräumen der Edelhofbesitzer, waren einfache Wohn- und Schlafräume für die Dienerschaft und sonstiges Personal vorhanden. Ebenso wurden Nebengebäude wie Vorratsräume, Stallungen, Werkstätten, Presshaus, Weinkeller, etc. benötigt. Um Edelhöfe noch begehrter zu machen, standen diese meist nicht im Ortsverband, sondern freistehend außerhalb der Ortssiedlung. Dies hat sich im Laufe der Zeit aufgrund des stetigen Wachstums der Ortschaft geändert.

Die Edelhöfe von Jois
Wie viele Edelhöfe in Jois bestanden haben ist nicht genau bestimmbar. Im Urbar (Verzeichnis) des Jahres 1525 werden folgende fünf Edelhöfe angegeben:

  • Fronauerhof: nicht mehr existent, Standort: vermutlich Untere Hauptstraße – Nr. unbekannt
  • Edelhof des Grafen Mercy: nicht mehr existent, Standort: vermutlich Untere Hauptstraße 55 (heute Hotel Pasler-Bäck)
  • Kleiner Bruckerhof: nicht mehr existent außer dem alten Brunnen, Standort: Untere Hauptstraße Nr. 38-40
  • Latteshof: heute als großer Bruckerhof bezeichnet, Standort: Hauptplatz 7
  • Edelhof des Grafen Mora: heute als Pfarrstadel bezeichnet, Standort: Untere Hauptstraße 24 heute Pfarrhof (beinhaltet Pfarramt und Herz-Jesu-Kirche)

Der Edelhof des Grafen Mora (Pfarrstadl) sowie der Latteshof (großer Brucker-Hof) sind daher die ältesten erhaltenen Profanbauten von Jois.

Bauliche Beschreibung von Edelhöfen
Allgemein können die Edelhöfe von Jois anhand des heutigen Erscheinungsbildes wie folgt beschrieben werden:

  • Freistehendes Objekt mit jeweils rechteckigem Grundriss für die Wohnbereiche
  • Zweigeschossig mit Sattel- bzw. Walmdach, Dacheindeckung: Rhombendeckung bzw. Strangfalzdeckung
  • Außenwände verputzt, ein Farbanstrich ist nicht erkennbar, keine Fassadenprofilierungen vorhanden
  • Latteshof: Die Deckenflächen über dem Erdgeschoss sind als Tonnen- und Kreuzgewölbe vorhanden
  • Edelhof des Grafen Mora:Die Deckenflächen über dem Erdgeschoss waren vermutlich als Tramdecken vorhanden, da „Tramkasteln“ (Auflager für die Deckenträme) im Mischmauerwerk vorhanden sind und keine Gewölbeauflager sichtbar sind
  • Die Fensteröffnungen sind mit Steingewänden eingefasst, am Pfarrstadl sind profilierte Steingewände als Fensterverdachung und Sohlbankgesimse vorhanden
  • Fensterkonstruktion: Holzkastenfenster

Bei Edelhöfen handelte es sich daher um kompakte, freistehende, zweigeschoßige, solide und aufwendig gebaute Gebäude, die zusätzlich zu den oben angeführten Funktionen (Wohnen, Viehhaltung, Lagerung, Geräteaufbewahrung) auch repräsentativen Zwecken dienten.

Zusammenspiel von Siedlungsstrukturen und Hofformen
Ob eine Ortschaft aus vielen Streckhöfen besteht oder aus vielen freistehenden Edelhöfen hat natürlich nicht nur Auswirkung auf das Ortsbild, sondern auch auf die Siedlungsstruktur. Natürlich hat auch die Siedlungsstruktur einen starken Einfluss auf die Hofformen, denn bei den oben genannten Arten von Siedlungsstrukturen lassen sich nur schmale und längliche Grundstücke erkennen. Aufgrund dieser Grundstücksform sind die Streckhöfe immer in Längsrichtung gestreckt. In anderen Regionen Österreichs sind die Grundstücke im Ortsgebiet nicht so schmal, sondern eher rechteckig oder sogar quadratisch. In solchen Regionen wurden Dreikant oder Vierkanthöfe errichtet.

Definition „Ortsbild“
Der Begriff „Ortsbild“ ist zwar jedem geläufig, doch eine einheitliche Definition ist schwer zu finden. Entweder wird unter „Ortsbild“ die Gestaltung von Plätzen durch diverse Blumentröge und sonstiges Mobiliar samt den Fassaden der Gebäude verstanden, also das „innere Ortsbild“. Oder es werden die Baukörper selbst, ihre Anordnung, Fassaden, Grundrisse, das verwendete Material und ihr Bezug zu den oben beschriebenen Siedlungsstrukturen und Hofformen betrachtet. Dabei spricht man vom „äußeren Ortsbild“. Das äußere Ortsbild ist die Silhouette (Kontur) einer Ortschaft. In Jois ist die Hanglage der Ortschaft mit der bergseitig gelegenen Pfarrkirche sowie der geschlossenen dichten Verbauung im Siedlungszentrum als wesentliches Merkmal des „äußeren Ortsbildes“ maßgeblich.

Generell dient das Ortsbild einer Gemeinde als Identitätsstifter einer Ortschaft und als Wiedererkennungsmerkmal. Ebenso lässt sich der Begriff als Synonym für das Wort Stadtbild (üblicherweise im größeren Maßstab) erklären.

Doch weshalb verändert sich das Ortsbild im Burgenland stetig?
Um diese Frage beantworten zu können muss man die Dorfentwicklung genauer betrachten, denn das Ortsbild steht in engem Zusammenhang mit der umliegenden Bebauung, der gesellschaftlichen Entwicklung und der Landschafts- sowie der Siedlungsstruktur.

Bis zum 19. Jahrhundert bestand eine Ortschaft aus dem heutigen Ortskern samt Kirche und Schule. Danach wurde der Ortskern durch Wirtshäuser, Wirtschaftsgebäude (Schmiede, Schuster, etc.), Feuerwehrhaus, Sportplatz sowie einen Bahnhof erweitert. Diese Entwicklung lässt sich vor allem in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bis in die 1950er Jahre beobachten.

Seit 1960 (bis heute) gab es aufgrund des sozialen und baulichen Strukturwandels eine Abwendung von der Landwirtschaft, verbunden mit einer Abwertung und dem Verfall des alten Dorfkernes, wodurch in vielen Fällen das alte Ortsbild einer Gemeinde zerstört wurde. Die früher in der Landwirtschaft tätige Bevölkerung, welche nunmehr täglich einer geregelten Berufsausübung außerhalb des Ortsgefüges nachgeht (sogenannte Pendler), veränderten durch den gestiegenen Verdienst und durch die Phase des sogenannten Wirtschaftswunders nach dem 2.Weltkrieg befeuert, die von der Elterngeneration übernommene Siedlungsstruktur. Dies erfolgte entweder durch den Komplettabbruch der Bausubstanz und der Neuerrichtung von meist zweigeschossigen Wohnhäusern ohne Wirtschaftstrakte an den Straßenfronten oder durch das Aufstocken der vorhandenen eingeschossigen Wohnhäuser. In jedem Fall wandelte sich die Bebauung von den historischen, eingeschoßigen Giebelhäusern der Streckhöfe hin zu einem zweigeschossigen Wohnhaus mit traufseitig ausgerichteten Dachflächen. 

Um Gewerbe- und Industriegebiete sowie die Neubauviertel unterzubringen, wurde das Straßennetz großflächig erweitert, somit fand eine deutliche Zersiedelung (auch „Ausuferung“ genannt) statt. In diesen Neubauvierteln wurden Einfamilienhäuser, Zweitwohnsitze und Wohnhausanlagen mit unterschiedlichstem Stil und Größe errichtet, wodurch es in diesen Gebieten kein einheitliches Ortsbild gibt. Weiters wurden die früheren typischen Hintausgassen (Stadl- oder Scheunengassen) aufgelöst. Aufgrund der stetig wachsenden Anzahl der Supermärkte und Einkaufszentren in unmittelbarer Nähe, mussten die Nahversorgungseinrichtungen und die ortsansässigen Geschäfte schließen.

Diese Entwicklung lässt sich bei sehr vielen Gemeinden, darunter auch Jois, beobachten. Nachstehend wird diese Entwicklung am Beispiel Jois im Detail nachvollzogen, wobei es vorweg notwendig ist, sich die historische Entwicklung der Ortschaft zu vergegenwärtigen.

Überblick über die historische Entwicklung von Jois
Dass Jois ein beliebtes Siedlungsgebiet ist, beweisen die ältesten Funde aus der Jungsteinzeit und der Kupferzeit (5.800 bis 2.300 v.Chr.), diverse Werkzeuge, Gefäße, Schmuck usw. wurden als Grabbeigaben in der Nähe des heutigen Ochsenbrunnens (Joiser Trift/ Heide) gefunden. Die Voraussetzungen für eine Besiedelung auf dem Gebiet des heutigen Jois waren sehr vorteilhaft, da es Wälder und Wiesen für die Jagd, den Neusiedler See für die Fischerei, genügend Quellen und Wasserstellen und aufgrund des Leithagebirges ausreichend Holz zum Bauen und Heizen gab. Zusätzlich liegt Jois am Südosthang des Gebirges, somit gibt es gute Weide- und Ackerflächen für die Landwirtschaft, was durch das vorteilhafte Klima der Region zusätzlich begünstigt wird.

Sogar die Römer wussten die Region zu schätzen, denn am südlichen Ende von Jois, nahe der Bahnlinie in der Riede „Adelshof“, hat man 1974 das Fundament einer Römischen Villa gefunden, samt Münzen, Geschirr und sogar eine Bronzestatue.

Die erste urkundliche Erwähnung von Jois stammt aus den Jahren 1209 bzw. 1214 als „Nulos“, eine Bezeichnung, die von den Magyaren stammt. 1345 wurde das heutige Jois als „Geuls“ bezeichnet und 1429 als „Jews“.

Bis 1848 unterlag Jois der Herrschaft von Ungarisch Altenburg. Der heutige Name wurde schließlich im Zuge der Angliederung des Burgenlands an Österreich im Jahre 1921 vergeben. Von diesem Tag an gehört Jois zum Verwaltungsbezirk Neusiedl am See.

Historische Entwicklung des Ortsbildes
Diese Entwicklung wird nachfolgend chronologisch dargestellt.

Ortsbildentwicklung und Dorfleben vom Mittealter bis zum 19. Jahrhundert
Das Ortsbild hat sich vom Mittelalter und Spätmittelalter an bis ins 19. Jahrhundert kaum geändert. Die Bürger von Jois verbrachten die meiste Zeit mit landwirtschaftlicher Arbeit, da damals die ganze Arbeit noch von Hand verrichtet werden musste. Im Winter ging es den Menschen besser, da es keine Arbeit auf dem Feld gab, doch es mussten die Wägen und Werkzeuge repariert werden. Die Bürger ernährten sich von Lebensmitteln, welche sie selbst anbauen und produzieren konnten, beispielsweise Getreide, Obst, Gemüse, Eier und Fleisch. Lediglich Salz und Textilstoffe für Kleidung mussten zugekauft werden.

Bevor die gemauerten Stadeln am Ende des Grundstückes hinzukamen, war das Dorf von einem sogenannten „Spaltenzaun“ umgeben. Dieser bestand aus Palisaden und Dornengestrüpp und sollte die Gemeinde vor Räuberbanden und Wölfen schützen. Die einfachen Häuser bestanden zumeist aus Holz, Lehm und Schilf, doch aufgrund des nahegelegenen Leithagebirges wurde in Jois schon früher als in anderen Ortschaften mit Naturstein gebaut.

Viele Häuser besaßen einen eigenen Brunnen, um die Bewohner und ihr Vieh selbst mit Wasser zu versorgen. Für alle, welche keinen eigenen Brunnen besaßen, gab es in Jois mehrere Wasserstellen, die von Allen genutzt werden konnten.

Ortsbildentwicklung ab den 19.Jahrhundert
Erst ab den 19. Jahrhundert und speziell im 20. Jahrhundert hat sich das Ortsbild von Jois maßgeblich verändert. Insbesondere durch den Aufschwung nach dem zweiten Weltkrieg kam es in Jois zu einer Umgestaltung des Ortsbildes und der Infrastruktur, wobei diese Veränderung bis heute anhält. Eine weitere bzw. die prägendste Veränderung erfuhr das Ortsbild von Jois während der wirtschaftlichen Blüte im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts, denn zu dieser Zeit wurde fast jedes Wohnhaus neu aufgestockt, zeitgemäß ausgestattet oder sogar neu errichtet. Die gesellschaftliche Umstrukturierung als Folge der zunehmenden Abwendung von der Landwirtschaft führte dazu, dass die früheren Wirtschaftsgebäude (Weinkeller, Stadl, Presshaus) nicht mehr benötigt wurden. Deshalb wurden diese von Grund auf umgebaut, einer neuen Nutzung zugeführt oder sogar abgebrochen. Die wenigsten Wirtschaftsgebäude werden heute noch zur Weinproduktion genutzt, die meisten werden als Abstellräume, Garagen oder Werkstätten verwendet. Auch die nicht mehr benötigten Weinkeller unter den Streckhöfe werden vermehrt als Abstellräume, Partyräume, Verkostungsräume für Wein oder sogar als Frühstücksräume bei Beherbergungsbetrieben verwendet.

In der Luftaufnahme aus 1960 sind die unterschiedlichen Streckhofformen wie Anbauhof, Hakenhof und Dreiseithof noch gut erkennbar.

Zusätzlich gab es eine Abwertung des alten Ortskerns. Dieser wurde stark verändert, insbesondere durch die bereits erwähnte Zersiedelung und die damit verbundene wirtschaftliche Abwertung des historischen Zentrums, sowie die Errichtung zusätzlichen Wohnraums an den Ortsrändern. Dies bedeutet, dass immer mehr Menschen am Ortsrand ihr Haus errichteten und damit außerhalb des Ortsverbandes wohnen.

1980 errichtete die Marktgemeinde Jois schließlich einen Yachthafen im Schilfgürtel des Neusiedler Sees, um den Tourismus zu fördern. 

Dorfentwicklung anhand des Baualterplans
Ein gutes Mittel, um die Dorfentwicklung zu untersuchen, stellt der Baualterplan aus dem Jahre 2013 dar.

Mit dessen Hilfe lässt sich der ursprüngliche Ortskern gut erfassen und man erkennt, dass Jois eine Mischform von einem Straßendorf (Untere Hauptstraße) und eines Schmalangerdorfes (Hauptplatz) ist. Diese zwei Straßenzüge bildeten jahrhundertelang die ganze Ortschaft, denn Jois hat erst ab der Mitte des 19. Jahrhunderts angefangen sich auszubreiten. Anfangs jedoch nur sehr zaghaft. 

Ebenso lässt sich erkennen, in welche Gebiete und Richtungen sich Jois im Laufe der Zeit ausgebreitet hat. Nach dem ersten Weltkrieg bzw. ab der Angliederung des Burgenlandes an Österreich stieg die Nachfrage an Bauplätzen und es kamen einige Siedlungsgebiete hinzu, wie zum Beispiel die Obere Hauptstraße, die Neubaugasse und teilweise die Josef-Haydngasse. Es gab damals auch einen Bauzwang, sodass der Käufer innerhalb von zwei Jahren mit dem Bau beginnen musste. Dadurch hat sich bis zum zweiten Weltkrieg die Marktgemeinde entlang der Haydngasse, Oberen Hauptstraße und der heutigen Bundesstraße ausgebreitet.

Nach dem zweiten Weltkrieg bis ungefähr 1995 wurde die Bruckergasse erweitert, freie Grundstücke entlang der Bundesstraße gefüllt, die Kellergasse im oberen Teil erbaut und ab 1962 wurde das Gebiet unterhalb der Bahnlinie (Ortsteil Krotzen) erschlossen und verbaut. Entlang dieser Straßenzüge wurde aber in den meisten Fällen noch immer im Ortsverband gebaut, somit steht ein Haus neben dem anderem, wodurch eine geschlossene Straßenfront erzielt wurde. Auf jenen Flächen, welche nach 1995 bis ca. 2005 erschlossen wurden, wie etwa der gesamte Klausenberg und ein Teil der Krotzen Ost-Erweiterung, befinden sich hauptsächlich freistehende Einfamilienhäuser. Das Industriegebiet nördlich der Bundesstraße wurde nach 2005 erschlossen, ebenso der verbleibende Teil der Krotzen Ost–Erweiterung, der Gartengassen–Verlängerung, Wohnungen neben dem neuen Feuerwehrhause sowie bei dem Sportplatz und der unterer Kirchberg.

Nach 2015 kam eine weitere Firma beim Industriegebiet hinzu und neue Bauplätze am Jungenbergweg sowie neben der Bundesstraße und das derzeit größte Aufschließungsgebiet, Krotzen West. 

Flächenzuwachs im Laufe der Zeit in Bezug auf die Bevölkerungszahl
Interessant und aussagekräftig ist zudem die Entwicklung der Bevölkerungszahlen im Laufe der Zeit im Vergleich zur benötigten Fläche an Bauland, wie in der nachfolgenden Tabelle aufgelistet. Um diesen Zusammenhang zu verdeutlichen, wird ein fiktiver Faktor „m² Bauland / Einwohner“ für nachfolgende Erörterungen ermittelt, wobei versucht werden soll, die Quellen der historischen Siedlungsentwicklung anhand des Baualterplans und der verfügbaren Bevölkerungsstatistik aufeinander abzustimmen. 

Des Weiteren wurden zur Erstellung der Tabelle folgende Quellen verwendet und Annahmen getroffen:

  • Die Angaben der Bevölkerungszahlen stammen aus den Visitationsberichten (Besuch eines Oberen mit Aufsichtsbefugnis zum Zweck der Bestandsaufnahme und Normenkontrolle), den Schamatismen der Diözese Raab und den Volkszählungen der Statistik Austria. 
  • Die Bemessungsflächen des Ortsgebietes wurden anhand der Siedlungsentwicklung und der DKM-Luftbildkarte (Digitale Katastralmappe), sowie des GIS Burgenland (Geografisches Informationssystem) im M 1:10.000 digital ermittelt. Die Flächenermittlung wird im nachfolgenden Kapitel (Kap.3.2.9) gezeigt.
  • Die Siedlungsentwicklung erfolgte natürlich nicht schlagartig, wie die o. a. Tabelle vermuten lässt, sondern vielmehr zeitlich fließend. In Ermangelung genauerer Daten musste hier auf die vorgenannten Quellen zurückgegriffen werden.
  • Zur genaueren Betrachtung wurde versucht, ab dem Jahr 2001 in 5-Jahres Schritten die Entwicklung darzustellen.
  • Das Jahr 2025 ist dabei eine fiktive Annahme, um die künftige Entwicklung miteinfließen zu lassen und beruht darauf, dass im Gebiet Krotzen West einige Wohnbauten und Privathäuser errichtet und besiedelt sein werden
  • k.A. / – = keine Angabe

Die Tabelle zeigt deutlich einen sprunghaften Anstieg des Flächenbedarfs je Einwohner ab dem Jahr 2001 von 427,9 m²/EW auf 522,1 m²/EW, was einerseits mit der Besiedelung der Inselwelt Jois am Seehafen und andererseits mit dem Beginn des mehrgeschossigen sozialen Wohnbaus im Gebiet Krotzen Ost zu erklären ist. Durch weitere Baulandwidmungen und somit erzielten „Mehrflächen“ kommt es in der Folge zu einer „Ausdünnung des fiktiven Faktors“ und einer Reduktion dieses Faktors auf 482,7 m²/EW im Jahr 2020.

Bei der fiktiven Annahme von einer Bevölkerung mit 1.800 Personen im Jahr 2025 wird ein Faktor von 486,9 m²/EW und somit ein weiteres Wachstum des Flächenbedarfes anzunehmen sein.

Zusammenfassend bedeutet das, dass sich die Baulandlandflächen mit der steigenden Einwohnerzahl erhöhen werden. Ebenso wird der fiktive Faktor (m² Bauland/ Einwohner) weiter steigen. Deshalb wird im nachstehenden Kapitel die historische Flächenentwicklung, inklusive einer Prognose bis 2025, grafisch dargestellt und untersucht.

Ausweitung des Baulandes
Ergänzend dazu wird in der nachfolgenden Abbildung die Ausweitung des Baulandes gezeigt, wobei die unterschiedlichen Farben angeben, in welchen Zeitraum das Bauland erweitert wurde. Die Flächen sind annähernd ident mit jenen des Baualterplanes, doch stammt dieser aus dem Jahre 2013, die nachfolgende Abbildung von 2021. 

Die anschließende Auswertung beruht dabei auf folgenden Annahmen:

  • Am unteren rechten Eck der Abbildung ist der Seezugang und der Hafen von Jois erkennbar.
  • Es wurden nur jene Flächen vermessen, auf welchen sich Wohngebäude oder ein Gewerbegebiet befindet. Gebäude wie Kirche samt Friedhof, Hallen, landwirtschaftlich genutzte Gebäude sowie der Sportplatz wurden nicht in den Flächen berücksichtigt.
  • Gelb dargestellt ist der ursprüngliche Ortskern von Jois. Das Ausmaß dieses Bereichs wurde der sogenannten „Walterkarte“ von Constantin Johann Walter von 1754 und der „Josephinischen Karte“ von 1772 entnommen. Jene Fläche, welche Grün dargestellt ist, wurde aus der dritten bzw. der Franzisko-Josephinischen Landesaufnahme von 1873 entnommen. Die restlichen Flächen bis 2021 wurden anhand des Baualterplanes und Recherchen im Gemeindeamt von Jois entnommen.

Stellt man die Erkenntnisse aus dieser Abbildung und der Tabelle aus dem Flächenzuwachs/Bevölkerungszahl gegenüber, so verdeutlicht dies eine bemerkenswerte Entwicklung. Lebten 1735, 903 Bürger in Jois, jedoch auf einer Fläche von nur 120.000 m² (entspricht 132m²/Einwohner), so wohnen 2020, 1.644 Personen auf 793.500 m² (entspricht 483m²/Einwohner). Betrachtet man die Entwicklung dazu, so kann man sagen, dass sich bis zum Jahr 1900 dieser Faktor nur unwesentlich verändert hat, denn er pendelte immer zwischen 130 m²/Einwohner bis maximal 150 m²/Einwohner. Erst danach ist ein Anstieg ersichtlich, welcher bis heute andauert und vermutlich auch in der Zukunft immer steigen wird. Daraus kann man schließen, dass jede einzelne Person mehr Bauland benötigt als die Generationen davor. Diese Entwicklung erklärt sich durch den gestiegenen Wohlstand, den industriellen Fortschritt und der veränderten Gesellschaft. Immer weniger Menschen wohnen in einem Mehrgenerationen-Haus, so geht nicht nur das über Generationen vererbte Handwerk verloren, das lange auch die traditionelle Bauform mitbestimmte, sondern es hat auch Auswirkungen auf das Zusammenleben. Wenn jede Generation ein eigenes Haus möchte, wird zwangsläufig viel mehr Baugrund benötigt.

Aber nicht nur die Gesellschaft hat sich geändert, sondern auch ihr Wohlstand. Sohaben mehr Menschen die Gelegenheit, sich ein eigenes Haus zu bauen und wollen folglich nicht in Wohnungen, Mehrparteienhäuser oder mit vorigen Generationen zusammenleben. Aufgrund des industriellen Fortschrittes werden etliche handwerkliche Betriebe nicht mehr benötigt, somit werden auch die dafür verwendeten Gebäudeteile überflüssig.

Ein weiterer, essenzieller Grund, weshalb sich das Bauland überdurchschnittlich ausweitet, obwohl die Bevölkerungszahl nur leicht steigt, ist, dass sich die Grundrisse der Gebäude geändert haben. Es werden heutzutage keine langen schmalen Höfe erbaut, hingegen werden freistehende Einfamilienhäuser auf einem rechteckigen oder quadratischen Grundstück erbaut, somit breitet sich eine Ortschaft stetig weiter aus und es werden viele grüne Flächen verbaut. Andere Begriffe, welche dieselbe Entwicklung beschreiben und zunehmend Beachtung finden, sind „Flächenversiegelung“ und „Flächenfraß“. Damit ist gemeint, dass immer mehr natürliche Flächen vom Menschen durch Bauwerke, Parkplätze, etc. verbraucht werden. Indem der Boden durch undurchlässige Schichten versiegelt wird, kann dieser keinen Niederschlag mehr aufnehmen, dadurch wird der natürliche Kreislauf gestört und die Hochwassergefahr, die Grundwasserbelastung und die Schadstoffkonzentration steigt.

Zukunftsaussicht für das Ortsbild von Jois
Die Marktgemeinde Jois durchlebt seit den 1990er-Jahren einen extremen Aufschwung, der nicht nur einen starken Tourismus und somit gute Einkünfte für die Gemeinde mit sich bringt. Es möchten immer mehr ortsfremde Menschen ein Einfamilienhaus bzw. einen Haupt- oder Zweitwohnsitz in Jois errichten, was u.a. an der vorhandenen Bahnanbindung sowie der Autobahn A4 und der damit verbundenen guten Erreichbarkeit des Ortes liegt. Gleichzeitig ist zu erwähnen, dass Jois im sogenannten Speckgürtel von Wien liegt. Dies führt dazu, dass die Grundstückspreise zuletzt stark gestiegen sind und derzeit der durchschnittliche Preis pro Quadratmeter Bauland-Wohnen bei über 200 € liegt. Zum Vergleich, im Jahr 2000 lag der Preis zwischen 50 € und 80 € pro Quadratmeter Bauland. Gleichzeitig werden die verfügbaren Baugrundstücke aufgrund der zunehmenden Bebauung bzw. der Zurückhaltung von Bauland für die Nachkommen immer weniger. 

Dementsprechend wurden auch zunehmend Projektentwickler und Investoren in Jois tätig, ohne auf das bestehende Ortsbild und die Siedlungsstruktur von Jois Rücksicht zu nehmen. Die Investoren sind ortsfremde Personen welche ausschließlich am maximalen Profit des jeweiligen Bauprojektes unter gleichzeitiger maximaler Ausnutzung der Bauflächen, interessiert sind. Ein Verständnis für das historisch gewachsene Ortsbild bzw. die Siedlungsstruktur ist bei diesen Personen nicht gegeben. Der Gemeinderat hat daher am 24.6.2020 einen auf zwei Jahre befristeten Baustopp für das gesamte Ortsgebiet mit nur wenigen Ausnahmen, beschlossen. In diesem Zeitraum soll ein auf die unterschiedlichen, vorhandenen Siedlungsstrukturen des Ortsgebietes Rücksicht nehmender Bebauungsplan samt Bebauungsbestimmungen ausgearbeitet werden, wodurch in Zukunft das Ortsbild und die Ortsentwicklung besser geschützt werden. Das Wohnen bzw. Bauen in Jois soll leistbarer gemacht werden, vor allem für die Joiser Bevölkerung. 

Die Art und Ausführung der Renovierung eines Eigenheimes ist jedem selbst überlassen, was dazu führt, dass es heute in Jois nur mehr ca. 20 traditionelle burgenländische Streckhöfe gibt, welche originalgetreu renoviert wurden. Bei allen anderen alten Streckhöfen kann man nur noch aus den Grundrissen erkennen, dass diese Gebäude früher traditionelle Streckhöfe waren.

Derzeit läuft ein Dorferneuerungs-/Dorfentwicklungsprojekt, welches von der Gemeinde in Auftrag gegeben wurde. Ziel dieses Prozesses ist es, die Grenzen der Bauflächen für die nächsten zehn Jahre zu definieren. Gleichzeitig soll eine Nachverdichtung im historischen Ortskern erfolgen, jedoch mit einer Beschränkung der maximalen Anzahl von Wohneinheiten je Grundstück in Abhängigkeit der jeweiligen Grundstücksgröße. Für die gesamte Ortschaft sollen Bebauungsbestimmungen unter Berücksichtigung der historischen Siedlungsstruktur und vorhandener Bebauung erstellt werden.

UNESCO Welterbe 
Im Dezember 2001 wurde die Landschaft rund um den Neusiedlersee, samt den Ortschaften, Kulturgütern und Naturwerten, in die UNESCO- Welterbeliste aufgenommen und als eine Kulturlandschaft „von außergewöhnlichem und universellem Wert“ ausgezeichnet. Die Fläche der Welterbe-Kulturlandschaft Fertö/ Neusiedlersee beträgt 74.700 Hektar, davon befinden sich 69 % in Österreich und 31 % in Ungarn. Um diese Region zu schützen und zu bewahren, wurde 2003 ein Managementplan erstellt, mit dem Ziel, die Natur- und Kulturwerte, die Strategien, die Ziele sowie die Zukunftsaussichten zu definieren. 

Anhand der Welterbegebiet-Karte erkennt man, dass die Marktgemeinde Jois in der Pufferzone des Welterbegebietes liegt und an die Kernzone grenzt. Diese Lage von Jois bedeutet aber nicht, dass es zu einem Museumsdorf werden sollte, erfordert jedoch einen respektvollen, sensiblen Umgang mit dem Ortsbild sowie eine qualitätsvolle Gestaltung und Bebauung. Denn um den historisch wertvollen Bestand zu erhalten, ist es essenziell die alte Bausubstanz nicht nur zu konservieren, sondern auch mit neuen Nutzungen zu versehen. Dabei wird man auf die einmaligen pannonischen Qualitäten der alten Siedlungsstrukturen und Hofformen stoßen, wie zum Beispiel die Qualität des geschlossenen Hofes, den geringen Baulandbedarf, traditionelle Bauformen und die Trennung zwischen innen und außen (privat und öffentlich). 

Um die alten Ortskerne rund um den Neusiedler See gegen eine Überformung zu schützen, gibt es seit 2013 einen Leitfaden, welcher Beispiele einer gelungenen und einer falschen Hausrenovierung innerhalb der alten Ortskerne aufzeigt. Dieser Leitfaden wurden vom Verein „Welterbe Neusiedler See“ erstellt und zeigt auf, dass man oft mit Kleinigkeiten viel zum Erhalt des Welterbegebietes beitragen kann. 

Im Folgenden werden die Beispiele aus dem Leitfaden erläutert:

Die alten Gebäude des Nordburgenlandes sind nicht nur geschichtlich und bautechnisch von großem Wert, sondern haben auch unschätzbare Vorteile. Beispielsweise die Lage im Ortsverband oder ihr historisches Flair mit den traditionellen Baumaterialen, Proportionen und Formen. Diese regionaltypischen Merkmale sollten respektiert und als Vorlage für Renovierungen, Sanierungen und Umbauten genommen werden. Bei der Fassadengestaltungen sollten keine grellen, auffälligen Farben verwendet werden, ebenso sollten die Fensterumrandung (z.B. Gewände oder Faschen) beibehalten und die Fenster in der ursprünglichen 2:3 Proportion belassen werden. Die ursprüngliche Struktur des Gebäudes sollte beibehalten werden und auf keinen Fall sollte eine Imitation von etwas Altem eingebaut werden. Die Umgebung eines Gebäudes wie der Vorgarten und die Einfriedung sollten auch einen harmonischen Übergang zwischen privatem und öffentlichem Raum schaffen. Wenn alle Gebäude im Ortskern diesen Beispielen folgen, wird ein einheitliches Zusammenspiel entstehen und das Ortsbild kann beibehalten werden. Es muss nicht jedes Gebäude gleich aussehen, aber es sollte eine gewisse Verwandtschaft zwischen den Objekten geben.

Conclusio
Die vorliegende Arbeit zeigt einerseits die Reichhaltigkeit der traditionellen Bausubstanz im nördlichen Burgenland im Allgemeinen sowie in Jois im Speziellen, andererseits aber auch, wie gefährdet und daher schützenswert diese heute bereits ist.

Dabei gibt es zahlreiche Möglichkeiten, das Ortsbild einer Gemeinde zu schützen. Zusammenfassend betrachtet muss sich aber vorweg die allgemeine Einstellung gegenüber alter Bausubstanzen und Baumethoden ändern, um den einzigartigen Bestand erhalten und konservieren zu können. Ebenso muss sich die Wertschätzung des Ortsbildes steigern, da sich sonst die ohnehin bestehende Überformung mancher Gemeinden immer weiter ausbreitet. Zusätzlich werden immer mehr Investoren in ländlichen Gebieten, wie es das Nordburgenland ist und hoffentlich bleiben wird, tätig. 

Wenn man einen Blick in die Zukunft wirft, so ist die Marktgemeinde Jois am besten Weg, zu einem Vorzeigebeispiel zu werden. Jedoch nur, wenn der Bebauungsplan die pannonischen Qualitäten der regionaltypischen Siedlungsstrukturen und Hofformen fördert und den alten Ortskern so weit schützt, dass auch künftige Generationen die ursprünglichen Gebäudeformen noch erkennen können. Zum Beispiel könnte in diesem Bebauungsplan ein Flachdachverbot innerhalb des wertvollen Ortskernes geregelt sein. Ebenso ist der derzeitige Baustopp eine wegweisende Entscheidung gewesen, nicht nur für Jois, sondern als Beispiel für das gesamte Burgenland. 

Es wird an den Gemeinde-, Landes- und Bundesverantwortlichen liegen, durch ein verbessertes Zusammenspiel auf allen Ebenen einerseits den Erhalt des UNESCO-Welterbestatus zu gewährleisten und andererseits die hohe Wohn- und Lebensqualität in den Dorfstrukturen vor Ort zu sichern bzw. weiter auszubauen.

Literatur
Vgl.: https://austria-forum.org/af/AEIOU/Hofformen (Hofformen.at,5.1.2021)
Vgl.: MAYER, Vera, Burgenland: Bau- und Wohnkultur im Wandel, Verlag der Österr., Akad. der Wiss., Wien, 1991, S.29
Vgl.: HILLINGER, Franz, JOIS- 800 Jahre und mehr, Wograndl Druck, Mattersburg, 2008, S.226

Vgl.: HILLINGER: JOIS, S.222
Vgl.: MOSER, F.; FREI, WD.; u.a., Wohnbau im Ortsbild, Wien, 1988
Vgl.: http://www.atlas-burgenland.at/index.php?option=com_content&view=article&id=517:d%C3%B6rfliche (Atlas-Burgenland.at, 11.1.2021)
Vgl.: HILLINGER: JOIS, S.60
Vgl.: Zur ursprünglichen Form des traditionellen Streckhofes vgl. Kapitel 3.2.1
Vgl.: HILLINGER: JOIS, S.66
Vgl.: Häuserbuch HILLINGER, Wachsen einer Gemeinde, Jois, 2013, S.4; HILLINGER: JOIS, S.310
Vgl.: HILLINGER: JOIS, S.160
Vgl.: HILLINGER: JOIS, S.135
Vgl.: https://www.umweltberatung.at/bodenversiegelung-und-flaechenverbrauch (Umweltberatung.at, 16.1.2021)
Verein WELTERBE, Neusiedler See, Managmentplan Welterbe Kulturlandschaft Fertö/ Neusiedlersee, Land Burgenland, Eisenstadt, 2003, S.1
Vgl.: Verein WELTERBE, Managmentplan, S.1
Vgl.: Verein WELTERBE: Managmentplan, S.11
Vgl.: Verein WELTERBE, Neusiedler See, Bauen im Welterbe – Ein kleiner Leitfaden, Land Burgenland, Eisenstadt, 2013

Nr. 53
Historischer Ursprung
1214 erste urkundliche Erwähnung des Ortes als „NULOS“

Ehem. Haus des „Heiligen Drei König-Benefiziums“

Spätgotische Lichtsäule weist den Weg

Das Haus des Pfarrers Caspar Stainitzer
Das Haus des „Heiligen Drei König-Benefiziums“ war zunächst das Haus des Joiser Pfarrers Caspar Stainitzer (ca. 1510 – 1529). Dieser war unter dem Grafen Peter von Pösing auch Rentmeister der Herrschaft Ungarisch-Altenburg. Über sein priesterliches Wirken ist nichts bekannt. Im Alter hat er sich in das Zechhaus der Gemeinde zurückgezogen, das zuvor immer schon „zum stifft oder Kirchen“ gehört hat. Da dieses Haus klein war, hat er das benachbarte Halblehenhaus mit zwei Viertel Weingarten dazu genommen und baulich vereinigt. 

Die Heiligen Drei König-Stiftung
Gegen Ende seines Lebens hat Caspar Stainitzer sein Haus und sein ganzes Vermögen in eine geistliche Stiftung für einen Benefiziaten eingebracht. Dabei handelte es sich um die bereits bestandene, so genannte „Heiligen Drei König“-Stiftung. An diesem Benefizhaus ließ Stainitzer ein Steinrelief anbringen, das die Heiligen Drei Könige darstellte. Im Zusammenhang mit diesem Benefizium ist auch der Heilige Drei König-Altar in der Kirche von Jois zu sehen.

Was ist ein Benefizium?
Nach dem Kirchenrecht ist ein Benefizium ein auf Dauer errichtetes Kirchenamt, das mit einer nutzungsfähigen Vermögensmasse ausgestattet ist. Das Benefizium mitsamt dem Haus, den Äckern und Weingärten dienten dem jeweiligen Benefiziaten als Lebensunterhalt. Das Benefizium selbst konnte weder verkauft noch weiterverpachtet werden; in der Regel blieb es kirchliches Eigentum. 

Im Fall von Jois ging dieses Benefizium aber schon nach kurzer Zeit, bedingt durch die Reformation im 16. Jahrhundert, in Vergessenheit. Das Haus und die Weingärten wurden zunächst durch die Herrschaft verwaltet. Ob das Benefizium später vom Kaiser für immer beansprucht wurde oder anderen Benefiziaten verliehen wurde, ist historisch nicht überliefert.

Fundstelle des „Ritters von Jois“
Der ursprüngliche Standort dieses Benefizhauses liegt wahrscheinlich an der Unteren Hauptstraße Nr. 2, d. h. an der Stelle, wo im Herbst 1973 die Figur des „Ritters von Jois“ gefunden wurde (siehe Station 51).

Nr. 52

Der „Ritter von Jois“

Einer der Heiligen Drei Könige

Spektakulärer Fund
Im Herbst 1973 wurde bei Baggerarbeiten anlässlich eines Hausbaus in Jois (Untere Hauptstraße 2 – siehe Station 52 ) eine in zwei Teile zerbrochene Tonfigur gefunden. Die Tonfigur ist 42,5 cm hoch und steht auf einer Standfläche mit einem Durchmesser von 15 cm. Sie wurde vom Hausbesitzer zunächst der Gemeinde Jois und hernach dem Burgenländischen Landesmuseum in Eisenstadt übergeben. Tonfiguren in der Art dieser Figur sind aus dem Mittelalter kaum bekannt. Der „Ritter von Jois“ ist von kunsthistorischer Bedeutung. 

Wer ist dargestellt?
Die Figur stellt eine männliche Person in der Tracht eines Adeligen dar. Um seine Hüfte liegt ein Gürtel, an dem ein Kurzschwert oder ein Dolch mit breitem Griff hängt. Kennzeichnend für die Oberbekleidung ist ein um den Schultergürtel laufender, mit kreisförmigen Einstichen versehener Tonwulst, der im Rücken zipfelförmig absteht und nach unten in einer Schlinge endet. Die Figur wird als „Ritter von Jois“ bezeichnet. 

Wann und wo entstand die Figur?
Als Entstehungszeit dieser Figur wird die Zeitspanne von ca. 1360 bis 1380 angenommen. Die Figur besteht aus einem, im Spätmittelalter allgemein üblichen grauen, steinchengemagerten gebrannten Ton, wie er vor allem in Wien und Niederösterreich verbreitet war. Im Burgenland wurde zu dieser Zeit ein rötlicher, oxydierend gebrannter Ton bevorzugt, weshalb anzunehmen ist, dass die Tonfigur in einer donauländischen Werkstatt Niederösterreichs oder in Wien hergestellt wurde. Sie findet ihre nächsten Parallelen am ehesten in den figürlich ausgestalteten Aquamanilien (Gießgefäßen), die in bestimmten Hafnerwerkstätten hergestellt wurden. 

Was hat die Figur mit den Heiligen Drei Königen zu tun?
Die Figur dürfte, wie die Weisen aus dem Morgenland, ehemals mit der rechten Hand einen Gegenstand in Brusthöhe (im Bereich der Bruchstelle) dargeboten haben, weshalb sie als einer der Heiligen Drei Könige interpretiert wird. Die Figur könnte vielleicht mit dem Drei Könige-Benefizium (siehe Station 52) oder mit dem Drei Könige-Altar der Kirche in Verbindung stehen. 

Wo kann man die Figur sehen?
Wer neugierig geworden ist und Lust hat, die Figur zu sehen, besucht das Museum Jois, wo eine 1:1-Kopie der Figur ausgestellt ist. Viel Spaß beim Erkunden von Jois!

Literatur
Franz Hillinger, Jois. Geschichte der Pfarre, Jois 2021, S. 28

Franz Hillinger, Jois. 800 Jahre und mehr, hg. von der Marktgemeinde Jois, Jois 2008, S. 72

Sabine Felgenhauer-Schmiedt, Eine mittelalterliche Tonfigur aus Jois, in: Urgeschichte – Römerzeit – Mittelalter. Materialien zur Archäologie und Landeskunde des Burgenlandes (Wissenschaftliche Arbeiten aus dem Burgenland, Bd. 69), Eisenstadt 1984, S. 166-174

Nr. 51
Entstanden
ca. 1360 – 1380
Fundstelle
Herbst 1973 / Jois, Untere Hauptstraße 2
Präsentation
Original im Burgenländischen Landesmuseum, Inv.Nr. 29.325
Kopie im Museum Jois
Eigentümer
Landesmuseum Burgenland (Original)
, Museum Jois (Kopie)

Zigeunerlager – Gedenkstein

Ein fester Standort für ein fahrendes Volk

Warum wurde der Gedenkstein errichtet?
Der Gedenkstein an diesem historischen Siedlungsplatz der „Zigeuner“, umgangssprachlich auch „Zigeunerlager“ genannt, wurde auf Initiative von Msgr. Dr. Franz Hillinger errichtet. Gemeinsam mit der Marktgemeinde Jois wurde im Zuge des Neubaus des Feuerwehrhauses dieser Stein gesetzt. Er soll an die damit verbundenen Ereignisse erinnern und gleichzeitig eine Mahnung sein.

Wer waren die „Zigeuner“?
Heute ist der Begriff „Zigeuner“ verpönt bzw. hat einen diskriminierenden, abwertenden Beigeschmack und gilt als Schimpfwort. Man spricht heute nur von Roma und Sinti. Im weiterführenden Text wird dieses Wort aber als zeithistorischer Begriff ohne jegliche Diskriminierungsabsicht verwendet.

Die folgende Textpassage ist aus dem Buch „Hexen, Tod und Teufel“, 2015, von Msgr. Dr. Franz Hillinger – Seite 94 entnommen:

„Das Herkunftsland der Zigeuner ist nicht bekannt. Die meisten Forscher nehmen an, dass sie aus Indien abstammen. Die erste urkundliche Erwähnung von Zigeunern im Gebiet des heutigen Burgenlandes stammt aus dem Jahr 1389. Größere Gruppen dieser Volksgruppe dürften erst ab dem 16. Jahrhundert aus Zentralungarn in unsere Gegend gekommen sein.

Die Aufnahme der Zigeuner war sehr unterschiedlich. Manche Herrschaften nahmen sie auf und stellten den einzelnen Sippen Schutzbriefe aus. Vielfach wurden sie jedoch abgewiesen und vertrieben.

Die Zigeuner waren bei den Heeren der Türkenabwehr gerne gesehen als Waffenschmiede und Musikanten. Mit der Vertreibung der Türken verloren sie ihre wirtschaftlichen Grundlagen. In dieser für sie bedrohlichen Situation nahmen Diebstähle und Plünderungen der Zigeuner zu. Die Habsburger versuchten mit Patenten und einer restriktiven Politik „der Bedrohung durch herumziehende Zigeuner“ zu begegnen. 

Einen ersten Höhepunkt der Verfolgungspolitik wurde im Jahre 1720 erreicht, als Karl VI. „die Zigeuner und jegliches liederliche Gesindel in Österreich“ ausrotten wollte.

In der Regierungszeit Maria Theresias kam es zu einer grundlegenden Änderung in der Behandlung der Zigeuner. Man versuchte sie mittels strenger Zwangsmaßnahmen in die Gesellschaft zu integrieren. Die zwischen 1758 und 1773 erlassenen Verordnungen zwangen die Zigeuner, ihre alte Lebensweise aufzugeben und sich niederzulassen. So erging 1762 im Komitat Wieselburg an alle Dörfer eine „Zigeunerordnung“, worin die Bettelei, das Vagabundieren und ihre Sprache verboten waren und sie zur Arbeit und Ansiedlung verpflichtet wurden. Das Konfiszieren der Pferde und der Wagen sollte sie am Herumziehen hindern. Das Verlassen der Dörfer war nur mit der Erlaubnis des Dorfrichters gestattet. Außerdem wurde 1773 zur “Zivilisation“ und „Domicilierung“ eine Verordnung erlassen, die besagte, dass den Zigeunern die Kinder weggenommen werden sollten und diese christlichen Familien in anderen Komitaten zur Erziehung übergeben werden sollten. Zudem wurde den Zigeunern die Heirat untereinander verboten und Mischehen gefördert.

Diese verschiedenen Verordnungen sollten die herumziehenden Zigeuner sesshaft machen und in die Dorfgemeinschaft integrieren. Doch der angeborene Wandertrieb und die andere Lebensart der Zigeuner war stärker.

Es wurde auch versucht, sämtliche Zigeuner zu erfassen, was bei einem herumziehenden Volk ja nicht ganz einfach ist. Den Konskriptionslisten zufolge lebten Ende des 18. Jahrhunderts etwa 450 – 500 Zigeuner im heutigen Burgenland. Nach einer Konskriptionsliste des Komitates Wieselburg aus dem Jahre 1762 lebten damals im heutigen Bezirk Neusiedl am See wenige Zigeuner in Wallern, Pamhagen und in Gattendorf.“

Von den Anfängen der „Zigeuner“ in Jois bis 1938
Vermutlich machten die durchziehenden „Zigeuner“ bereits ab dem 18. Jahrhundert in Jois Station. Ab dem frühen 20. Jahrhundert haben sich einige Familien auf dem Platz der Ried „Spiegelhöhe“ zwischen den letzten Häusern der Oberen Hauptstraße und der Hottergrenze zu Neusiedl am See länger aufgehalten. In den Matrikelbüchern der Pfarre und der Gemeinde scheint die Bezeichnung „Zigeunerlager“ vielfach auf. Im Jahre 1930 standen an diesem Lagerplatz sechs Hütten, vier Jahre später waren es bereits zwölf. 

Im Buch von Msgr. Dr. Franz Hillinger „Hexen, Tod und Teufel“, 2015, ist dazu auf den Seiten 96-98 zu lesen:

„Die Gemeinde war bestrebt, das Zigeunerlager vom Ortsbeginn der Bundesstraße wegzubekommen, was 1936 auch tatsächlich geschah. Sie verkaufte ein Joch der besagten Fläche auf der Spiegelhöhe (Rest von Nr. 2336/1) um nur S 1,00- pro Quadratklafter an Leopold Schnedl. Dieser musste sich jedoch verpflichten, die Verlegung des ganzen Zigeunerlagers auf eine von der Gemeinde bereitgestellte Wiese innerhalb von zwei Jahren durchzuführen. So entstand am Krotzen (wenn man heute beim Kindergarten vorbei die Bahn überquert, gleich zur rechten Hand) die neue Zigeunersiedlung mit etwa zwölf Hütten, teilweise aus Stein und aus Holz.

Dort, wo sich bis etwa 1936/37 das Zigeunerlager befand, wurde in den Jahren 2014 und 2015 das neue Feuerwehrhaus und der Wohnblock der Oberwarter Siedlungsgenossenschaft errichtet.“

„Als nach dem Ersten Weltkrieg im Jahre 1921 das Burgenland zu Österreich kam, änderte sich auch die Staatszugehörigkeit der Zigeuner, aber kaum ihre Lebensart. Von jeher waren die Zigeuner ein fahrendes Volk. Mit ihren typischen Wagen waren sie als Rastelbinder, Scherenschleifer, Reindlflicker, Korbflechter und Besenbinder unterwegs und boten Waren und ihre Dienste an. Manche waren auch als Straßenmusiker unterwegs, wie beispielsweise Anton und Lorenz Horvath aus Jois.

Die Frauen mit ihren langen Röcken gingen oft mit ihren Kindern von Haus zu Haus und bettelten. Man sagte ihnen nach, dass sie gerne auf ihren Betteltouren etwas mitgehen ließen. Sie galten in den Augen der Leute als arbeitsscheu. Wegen ihrer Eigenart wurden sie von der Bevölkerung nicht sehr geschätzt. Das war auch in Jois so.“

„Wie sich die ungarischen Behörden bemüht hatten, die Zigeuner sesshaft zu machen und in die Gesellschaft einzubinden, so versuchte auch die Burgenländische Landesregierung durch verschiedene Maßnahmen, dies zu bewerkstelligen. Bereits im Jahre 1922 erging ein Erlass der Burgenländischen Landesregierung, dass die Zigeuner in ihren Heimatgemeinden festzuhalten und am Umherziehen zu hindern seien. Fremde Zigeuner sollten abgeschoben werden. Unter anderem wurden die Bürgermeister angewiesen, neu ankommenden Zigeunern keine unentgeltlichen Wohnplätze zu gewähren. Außerdem versuchte man, ausländische, vor allem ungarische Zigeuner auszuweisen und umgekehrt, solche auch nicht einreisen zu lassen. Um die Zigeuner besser in die Gesellschaft einbinden zu können, erließ die Burgenländische Landesregierung im Juli 1923 eine Verordnung, wonach die Schulpflicht auch auf die Zigeunerkinder ausgedehnt wurde. De facto wurde sie mit dem Schuljahr 1924/25 eingeführt.

Nach wie vor machten Pferdehändler und andere, alles möglich anbietende Zigeuner in Jois Station. 

Der starke Anstieg von Zigeuner-Geburten in den Jahren zwischen 1930 und 1939 auf 38 ist zum Teil auf eine politische Finte zurückzuführen. Da der damalige sozialdemokratische Gemeinderat und kurzzeitige Bürgermeister (1931 – 1933) Karl Steidl in den Zigeunern potentielle Wähler sah, förderten er und seine Partei die Einbürgerung der Zigeuner. Deswegen wurde Steidl von den Christlich-Sozialen abfällig auch „Zigeunerbürgermeister“ genannt. 

Dieser politische Schachzug und die Tendenz der Zigeuner, sich einbürgern zu lassen, war der Grund, dass Jois in den 30-er Jahren die größte „Zigeunerkolonie“ im Bezirk Neusiedl am See hatte. Im Jahre 1933 lebten in Jois 120 Zigeuner; es wird vermerkt, dass 19 (Einzelpersonen und Familien) sesshaft waren, während die übrigen als unstet eingetragen sind. Im Juli 1936 waren 109 Zigeuner registriert. Während im Jahre 1934 der Anteil der Zigeuner im gesamten Bezirk Neusiedl am See bei 0,7 % lag, war er in Jois bei 8,3 %. 

Nachdem sie sich in Jois eigene Hütten und kleine Häuser gebaut hatten, haben sie auch ihre Lebensweise umgestellt. Die Erwachsenen konnten eine Arbeit annehmen. Viele sind als Tagelöhner und Hilfsarbeiter eingetragen, manche fanden wieder als Straßenarbeiter einen Posten. Die Kinder hatten es leichter, regelmäßig die Schule zu besuchen.“ 

Die Folgen des Anschluss Österreichs für die „Zigeuner“
Das Nürnberger Rassengesetz von 1935 war die Grundlage für die systematische Verfolgung und Vernichtung von „Nicht-Ariern“, wozu auch u.a. Juden und „Zigeuner“ zählten. Im März 1938 wurde den „Zigeunern“ das allgemeine Wahlrecht abgesprochen. Die „Zigeuner“ des Burgenlandes wurden ab dem Spätsommer 1940 in das Sammellager Lackenbach deportiert. Von diesem Lager aus wurden die Inhaftierten in die Vernichtungslager transportiert. 

Der Ablauf des Abtransports wird nach den damaligen Zeugenaussagen wiedergegeben:

Alle Zigeuner wurden aus deren Unterkünften auf der Spiegelhöhe bzw. am Krotzen von NS-Soldaten geholt, welche von Joiser Jägern unterstützt wurden, und hernach über die Obere und Untere Hauptstraße in den Innenhof des Gemeindeamtes getrieben. Siehe dazu auch Station Nr. 19. Dort erfolgte die Registrierung “der nach Jois heimatberechtigten Zigeuner” anhand von Personenlisten. Laut dieser Liste ist von ca. 85 Personen, welche abtransportiert wurden, auszugehen.

Das nachstehende Foto zeigt diese Personengruppe im Innenhof des Gemeindeamtes. Nach der Registrierung wurden diese Menschen mit Lastwagen in das Zwischenlager Lackenbach im Bezirk Oberpullendorf transportiert. Von Lackenbach aus wurden die Menschen der NS-Ideologie folgend in weitere (Vernichtungs-)Lager gebracht.

Nach dem Zweiten Weltkrieg
Von den ca. 85 abtransportierten “Zigeunern“ kehrten bis 1950 nur 15 Personen nach Jois zurück. Die damaligen Häuser bzw. Hütten an diesem Lagerplatz auf der Spiegelhöhe waren zwischenzeitlich abgetragen worden. Die Hütten am Krotzen waren ebenfalls zerstört. 

Deshalb mussten für die Rückkehrer Notquartiere errichtet werden. Lediglich die Familie Nikolaus Horvath siedelte sich dauerhaft in Jois an. Die restlichen „zurückgekehrten Zigeuner“ haben anderswo eine neue Arbeit und Heimat gefunden. Heute lebt kein einziger Roma-Sinti-„Zigeuner“ mehr in Jois. Daher soll der Gedenkstein an die Geschehnisse des 20. Jahrhunderts erinnern.

Weitere Fakten, Daten und Namen zu den „Zigeunern von Jois“ sind dem Buch „Hexen, Tod und Teufel“ “, 2015, von Msgr. Dr. Franz Hillinger, zu entnehmen. 

Nr. 40

Rätselrally:

Warum wurde der Gedenkstein errichtet?

Wann wurde der Gedenkstein errichtet?

Wo gab es in Jois „Zigeunerlager“?

Hotterstein Neusiedl

Der Hotterstein Neusiedl am See von 1952

Zur historischen Bedeutung von Hottersteinen 
Der Name “Hotter” leitet sich aus dem Ungarischen „határ“ = Grenze ab und bezeichnet umgangssprachlich das gesamte Gemeindegebiet der politischen Gemeindeverwaltung. In der Zeit der ersten Jahrtausendwende wurden die Grenzen zwischen den benachbarten Dorfgemeinschaften durch Waldschneisen, Bachläufe, Gräben, Steinanhäufungen oder bewusst gepflanzte Bäume – sogenannte „Markbäume“, gekennzeichnet.

Es kam immer wieder zu Streitigkeiten zwischen benachbarten Dörfern in Bezug auf den Grenzverlauf. Meist waren die besonders fruchtbaren Böden, welche zur Nachbargemeinde gehörten, der Anlassfall. Daher ging man dazu über die Grenzverläufe durch Erdwälle und große kunstvoll gestaltete Hottersteine zu markieren. Ein sehr schöner Hotterstein aus dem Jahr 1731 ist heute im Innenhof des Gemeindeamts aufgestellt (siehe Station Nr. 18).

Was bedeuten die Buchstaben und Zahlen?
Die Initialen der Anrainergemeinde sowie die Jahreszahl der Steinsetzung wurden direkt in den Stein eingemeißelt. Die Zeichen wurden immer an der Seite des Steines hergestellt, an der die Grenzlinie des Hottergebietes lag. 

Auch am Steinfuß, welcher im Erdreich vergraben war, wurden die Initialen der jeweiligen Gemeinde und manchmal auch die Jahreszahl in vereinfachter Form angebracht. Dies diente dazu, dass bei mutwilliger Beschädigung des Steines aus der Lage des Steinfundamentes immer noch der tatsächliche Grenzverlauf erkennbar war.

Die Steinsetzungen erfolgten meist im Zuge von Kommissionen, welche aus Vertretern der jeweiligen Gemeinde sowie Vertretern der Grundherrschaft bestanden. Es wurde eine Niederschrift abgefasst, auf der alle Vertreter der entsprechenden Kommission unterfertigten.

Folgende Initialen sind an den Hottersteinen von Jois sichtbar:

N oder auch NS – für Neusiedl am See

B oder SP – für Bruck an der Leitha bzw. Stadt Prugg

P – für Parndorf

W – für Winden

G – für Geos = die alte Schreibform von Jois 

Welche Grenze markiert der Hotterstein von 1952?
Der Hotterstein von 1952 markiert den nordöstlichen Grenzverlauf zur Anrainer Stadtgemeinde Neusiedl am See. An diesem Standort verläuft die Hottergrenze südlich vom See kommend bis zum nördlich gelegenen Leithagebirge. Eben diese Hottergrenze markiert zugleich die Grenzlinie des Dorfgebietes von Jois beidseitig der Bundesstraße. Der Hotterstein ist regelmäßig geformt und besteht vermutlich aus Naturstein. Gemäß der Inschrift wurde dieser Stein 1952 gesetzt.

Ungewöhnlich ist, dass die Inschrift des Steins in Blickrichtung der Bundesstraße 50 (B50) und nicht in Richtung Neusiedl am See orientiert ist. Da die Inschriften von Hottersteinen generell immer in die Blickrichtung des gekennzeichneten Gebietes zeigen, besteht bei diesem Hotterstein die Vermutung, dass die Lage des Steins zwischenzeitlich (unabsichtlich) abgeändert wurde. Es kann natürlich auch sein, dass diese nicht regelkonforme Steinsetzung bewusst der historischen Tradition widerspricht, wobei die Beweggründe dafür zwischenzeitlich in Vergessenheit geraten sind.

Die Hottergrenze verläuft bei diesem Stein genau entlang der Zaunkante von Gartenbereichen der Wohnanlage der OSG – Oberwarter Siedungsgenossenschaft in der Oberen Hauptstraße 72. Wenn sich jemand mittig vor dem Stein in Blickrichtung zum See positioniert und die Beine spreizt, kann er/sie behaupten, mit dem einen Fuß in Neusiedl am See und mit dem anderen Fuß in Jois zu stehen.

Ein weiterer Hotterstein in Sichtweite – am Henneberg 
Am südlichen Straßenzug der Wohnhausanlage – Henneberg – ist ebenfalls ein Hotterstein als massiver freistehender Naturstein vorhanden.

Bei diesem südlich gelegenen Hotterstein ist an der Oberseite eine muldenförmige Vertiefung erkennbar. Daraus ist zu schlussfolgern, dass dies ein historischer Hotterstein ist. Leider sind an den vertikalen Sichtseiten keine Inschriften mehr erkennbar.

Warum haben Hottersteine muldenförmige Vertiefungen? 
An der Oberseite von Hottersteinen war in der Regel eine kleine Mulde ausgeformt, deren Anbringung von vorchristlichen, insbesondere keltischen Bräuchen abgeleitet wird. Die Kelten brachten in solchen Steinmulden ihren Göttern Trankopfer dar.

In abgewandelter Form wird dieser Brauch bei der Hotterbegehung in Form der Austeilung einer so genannten „Hotterwatschen“ weitergepflegt. 

Eine „Hotterwatschen“ wurde im Zuge von so genannten Grenzbegehungen ausgeteilt. Dabei wurde Wein in die Mulde des Steins gefüllt, den die jungen Bewohner und insbesondere die Jungbauern einer Gemeinde, in diesem Fall von Jois, austrinken sollten. Während sie dies aber in vorgebeugter Haltung taten, wurde ihnen von hinten eine Ohrfeige – die sogenannte „Hotterwatschen“ oder ein ordentlicher Tritt in den Hintern erteilt, damit dieses Ereignis sicher in Erinnerung bleibt. 

Was versteht man unter einem „Hottergang“?
Zu den besonderen Eigentümlichkeiten im Zusammenhang mit Hottersteinen zählt der so genannte „Hottergang“ oder die „Hotterbegehung“. Was aber ist damit gemeint und zu welchem Zweck wurde dieser bzw. diese durchgeführt?

Nachstehende Auszüge geben Auskunft zum Ablauf einer solchen Hotterbegehung:

Entnommen aus der Arbeit am Atlas der Burgenländischen Volkskunde, von Leopold Schmidt, Seite 63, aus dem Burgenländischen Heimatblatt Nr. 23/1961:

An welchem Tag fanden die „Hotterbegehungen“ in Jois statt?
Eine Antwort darauf gibt eine Stelle aus der Arbeit am Atlas der Burgenländischen Volkskunde, von Leopold Schmidt, Seite 63, entnommen aus dem Burgenländischen Heimatblatt Nr. 23/1961:

Ob in Jois die Hotterbegehungen tatsächlich am Georgs- oder Georgitag stattfanden, kann nicht bestätigt werden. Der Georgstag wird in Jois seit alters her am 24. April gefeiert, der zugleich der Tag des Patroziniums der Pfarrkirche ist. An diesem Tag wurde zunächst der Gottesdienst besucht und anschließend der Kirtag begangen. Auch der Krämermarkt fand an diesem Tag statt und nachmittags wurden die Wirtshäuser besucht. 

Über die Kombination aus der „Hotterwatschen“, die zum einen schmerzvoll war, und dem gleichzeitigen Weintrinken, das zum anderen als angenehm empfunden wurde, sollte den jungen Mitbewohnern von Jois auf gewissermaßen originelle Art und Weise ein Bewusstsein für den Grenzverlauf der Gemeinde vermittelt oder man könnte sagen „eingebläut“ werden. 

Nr. 41

Rätselrally:

Wann wurde dieser Hotterstein errichtet?

Warum wurden Hottersteine errichtet?

Zu welcher Nachbargemeinde ist dieser Hotterstein positioniert? 

Wie viele Hottersteine gibt es im Umkreis?

NS – Gedenktafel

Gedenk- und Mahntafel

Wer waren die „Zigeuner“?
Heute ist der Begriff „Zigeuner“ verpönt bzw. hat einen diskriminierenden, abwertenden Beigeschmack und gilt als Schimpfwort. Man spricht heute nur von Roma und Sinti. Im weiterführenden Text wird dieses Wort aber als zeithistorischer Begriff ohne jegliche Diskriminierungsabsicht verwendet.

Warum wurde der Gedenkstein errichtet?
Im Jahr 2014 wurde auf der Ried Spiegelhöhe das neue Feuerwehrhaus errichtet. Dort war der historische Siedlungsplatz der „Zigeuner“, welcher umgangssprachlich auch „Zigeunerlager“ genannt, wurde. 

Siehe dazu die Station Nr. 40 – „Zigeunerlager“. Hier können Sie mehr zum Thema „Zigeuner“ nachlesen.

Auf Initiative von Msgr. Dr. Franz Hillinger wurde gemeinsam mit der Marktgemeinde Jois im Zuge des Neubaus des Feuerwehrhauses ein Gedenkstein am Standort des ehemaligen „Zigeunerlagers“ gesetzt. Zeitgleich wurde im Friedhofsbereich, 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, diese Gedenktafel errichtet, die an die menschenunwürdigen Ereignisse des Zweiten Weltkrieges erinnern soll und zugleich eine Mahnung für den heutigen Betrachter ist.


Nr. 9
Errichtet
2015
Eigentümer
Marktgemeinde Jois