NS – Gedenktafel

Gedenk- und Mahntafel

Wer waren die „Zigeuner“?
Heute ist der Begriff „Zigeuner“ verpönt bzw. hat einen diskriminierenden, abwertenden Beigeschmack und gilt als Schimpfwort. Man spricht heute nur von Roma und Sinti. Im weiterführenden Text wird dieses Wort aber als zeithistorischer Begriff ohne jegliche Diskriminierungsabsicht verwendet.

Warum wurde der Gedenkstein errichtet?
Im Jahr 2014 wurde auf der Ried Spiegelhöhe das neue Feuerwehrhaus errichtet. Dort war der historische Siedlungsplatz der „Zigeuner“, welcher umgangssprachlich auch „Zigeunerlager“ genannt, wurde. 

Siehe dazu die Station Nr. 40 – „Zigeunerlager“. Hier können Sie mehr zum Thema „Zigeuner“ nachlesen.

Auf Initiative von Msgr. Dr. Franz Hillinger wurde gemeinsam mit der Marktgemeinde Jois im Zuge des Neubaus des Feuerwehrhauses ein Gedenkstein am Standort des ehemaligen „Zigeunerlagers“ gesetzt. Zeitgleich wurde im Friedhofsbereich, 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, diese Gedenktafel errichtet, die an die menschenunwürdigen Ereignisse des Zweiten Weltkrieges erinnern soll und zugleich eine Mahnung für den heutigen Betrachter ist.


Nr. 9
Errichtet
2015
Eigentümer
Marktgemeinde Jois

Schanzweg – Wehranlagen der Wehrkirche

Wehranlage und Kruzitürken!

Kriegsgefahren – Kruzitürken!
Über die frühen Kriegsgeschehnisse gibt es nur wenige schriftliche Quellen. Bereits im 14. Jahrhundert drängten die Osmanen in Richtung Westen. 1526 wurde dem ungarischen Heer eine verheerende Niederlage durch die Osmanen zugefügt. Diese Niederlage führte in weiterer Folge zur ersten Türkenbelagerung von Wien im Jahre 1529 durch Sultan Süleyman. Sowohl beim Zug nach Wien, nachdem Ofen (das heutige Budapest) eingenommen wurde, als auch bei der Rückkehr ins osmanische Reich wurde Jois von den Türken heimgesucht. Aufgrund der geografischen Lage ist davon auszugehen, dass bei jedem größeren Feldzug von Ost nach West von Osten nach Westen Jois in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Im Jahr 1683 folgte die zweite Türkenbelagerung von Wien durch Großwesir Kara Mustafa. Auch für diese Zeit sind Kriegsgeschehnisse in und um Jois historisch belegt.

In den Jahren von 1670 bis 1711 erfolgte gleichzeitig ein Aufstand von ungarischen Adeligen gegen die Habsburger. Der Aufstand von Franz II. Rákóczi war 1703 bis 1711 der letzte aus einer Serie von antihabsburgischen Aufständen und zugleich der letzte sogenannte Kuruzenaufstand, welcher in Jois und Umgebung zu erheblichen Verwüstungen geführt hat. Der Fluch „Kruzitürken!“, zum Ausdruck des Zorns über eine unerfreuliche Entwicklung, entstand als Zusammenziehung von „Kuruzen und Türken!“. Die Bezeichnung des Ortsteils “Krotzen” – südlich der Bahntrasse – stammt vermutlich ebenfalls aus dieser Zeit, da hier die Kuruzen ihr Lager aufgeschlagen hatten.

Baugeschichte – Funktionsweise
Die direkt hinter der Stadlreihe des historischen Dorfgefüges liegende Wegeführung wird als Sätzgasse bezeichnet. Es kann nur vermutet werden, dass die Namensgebung mit der Aussaat – umgangssprachlich “setzn” oder einer anderen landwirtschaftlichen Tätigkeit in Verbindung steht, da hier im Hintausbereich der Wohnhäuser die Nutzfelder zur Ernährung der Bewohner lagen. 

Die nördlichere Wegeführung am Ried Kirchberg, vom westlich gelegenen Hauptplatz zur östlich gelegenen Josef-Haydngasse, wurde seit jeher  als Schanzweg bezeichnet. Die heutigen Benennungen lauten für den östlichen Teil “Unterer Kirchberg” und für den westlichen Teil “Kirchbergweg”. 

Definition des Wortes Schanze, lt. Wikipedia-Abfrage vom 02.02.2022:

Das Wort „Schanze“ leitet sich ursprünglich von Reisigbündel her, da im späten Mittelalter bei Belagerungen häufig provisorische Befestigungsanlagen aus Schanzkörben errichtet worden sind. Später wurden solche Schanzen sehr häufig aus Erdwällen errichtet. Daher wurde im 16. Jahrhundert das Wort „schanzen“ ganz allgemein auf Erdarbeiten jeder Art übertragen. Der militärische Sprachgebrauch benutzt heute noch schanzen für kleinere Erdarbeiten, vor allem für die Anlage von Schützengräben. Aus diesem bereits übertragenen Sprachgebrauch stammt schließlich auch der Ausdruck „sich verschanzen“ im erweiterten, übertragenen Sinne: z.B. „sich hinter Paragrafen verschanzen“.

Auffallend ist, dass dieser historische Weg annähernd geradlinig verläuft und an der Südseite von einer Trockensteinmauer gestützt wird. Der Höhenunterschied von der Wegebene zum tiefer liegenden Niveau beträgt je nach Topographie zwischen 1 m und bis zu 3 m. 

Im Westen beginnt der Verlauf des Weges am nördlichen Ende des Hauptplatzes – der den Beginn der historischen Siedlungstätigkeit markiert – und sicherte so eine rasche Fluchtmöglichkeit zu den Wehranlagen der mittelalterlichen Pfarrkirche am Berghang. 

Entlang der Wegeführung ist die Trockensteinmauer teilweise noch erkennbar. Am südlichen Ende des Wegeverlaufes ist eine wallartige Erdanhäufung sichtbar. Dieser Wall könnte mit der ursprünglich militärischen Nutzung in Verbindung stehen. Gleichzeitig könnte es sich lediglich um eine Anhäufung von Steinen bzw. biogenen Abfällen der ehemaligen landwirtschaftlichen Flächen handeln. Archäologische Untersuchungen könnten hier Aufschluss bringen. 

Die nördlich gelegene Pfarrkirche ist mitsamt dem alten Friedhof von einer Steinmauer eingefriedet – siehe dazu auch Station Nr. 3. Die Bezeichnung Friedhof leitet sich vom eingefriedeten Bereich rund um die Kirche ab.

In den kriegerischen Zeiten war es durchaus vorstellbar, dass sich die Bewohner von Jois in den Friedhof bzw. in die mittelalterliche Wehrkirche zur Verteidigung zurückzogen. Von dieser erhöht liegenden Fläche konnte die damals unbebaute Fläche rings um die Pfarrkirche leicht überwacht und verteidigt werden.

Die Funktionsweise der städtebaulichen Wehranlagen einer Stadtmauer und dem freien Vorfeld ist in Jois vorhanden. Im Fall von Jois erfüllt die Einfriedungsmauer des Friedhofes die “Stadtmauer” zur Verteidigung des inneren Ringes. Vermutlich war die Höhe der Einfriedungswand bergeseitig ursprünglich höher, um eine bessere Verteidigung zu gewährleisten. Im Laufe der Zeit hat die Mauer an Höhe verloren, vermutlich aus Kostengründen der laufenden Instandhaltung.Südseitig sind jedoch immer noch Mauerhöhen von ca. 3 m bis 5 m zu erkennen. Das freie Vorfeld war durch die landwirtschaftlichen Nutzflächen gegeben. Der südseitige Schanzverlauf diente in Kriegszeiten der Verteidigung. In Friedenszeiten war die “befestigte” Wegeführung für die landwirtschaftlichen Transporte von großem Nutzen.

Die freie, unbebaute Fläche östlich, südlich und westlich der Pfarrkirche war bis zur Jahrtausendwende gut erkennbar. Im östlichen Bereich erfolgte Anfang des 21. Jahrhunderts die Bebauung der freien Fläche.

Vom Standort der Pfarrkirche aus kann die pannonische Tiefebene sehr gut überblickt werden. Der Neusiedlersee wirkt als natürliche Barriere gegen Süden. Von der Südseite waren keine direkten Angriffe zu erwarten. Gleichzeitig konnte in der Ferne das Herannahen feindlicher Truppen zeitgerecht erkannt werden. Meist folgten den Eroberungen Plünderungen und Brandschatzungen, so dass die Auswirkungen dieser aus weiter Ferne bereits erkennbar waren. Aufgrund der natürlichen Hanglage und des Höhenunterschiedes des Schanzweges waren die Verteidiger in einer strategisch besseren Situation als die feindlichen Angreifer, welche sich bergauf und schutzlos vorwärts kämpfen mussten.

Die von Neusiedl am See bis nach Petronell an der Donau verlaufende Türken- bzw. Kuruzenschanze wurde 1703 bis 1704 errichtet. Dieser Schanzverlauf, oder zumindest der Beginn in Neusiedl am See beim Tabor, konnte vom Standpunkt der Pfarrkirche aus gut überwacht werden. 

Nr. 10

Rätselrally:

Was bedeutet „Kruzitürken“?

Kühlhaus / Feuerwehr-Depot

Von der Lebensmittelkonservierung zur Lebensgefahr

Wozu diente das Kühlhaus? 
Im Jahr 1958 wurde das Grundstück mit ca. 70 m² Grundfläche von der Milchgenossenschaft an die Marktgemeinde Jois zur Errichtung des Tiefkühlhauses verkauft. Eine Gefriertruhe zum langfristigen Konservieren von Lebensmitteln war für die meisten Menschen nach dem Weltkriegsende 1945 nicht leistbar.

Deshalb wurde von der Marktgemeinde Jois dieses Objekt mitsamt Kühltechnik und versperrbaren Gefrierfächern errichtet. Die Menschen konnten gegen ein monatliches Entgelt diese Fächer mieten und ihre Lebensmittel hier einfrieren und lagern. 

Ein weiteres Tiefkühlhaus befand sich in der Kirchberggasse, womit beide sehr zentral gelegen waren.

Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung und dem Wohlstand der Bevölkerung wurde die Funktion des Gebäudes obsolet. Daher wurde dieses Objekt für Lagerzwecke der Freiwilligen Feuerwehr Jois überlassen.

Von der Lebensmittelkonservierung zur Lebensgefahr
Im Zuge der traditionellen Ostermontagsübung am 24. März 2008 kam es zu einer folgenschweren Katastrophe, die das Gebäude zum Einsturz brachte und wodurch zwei Personen verletzt wurden.

Die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Jois wollten für die bevorstehende Übung einen Brand simulieren. Durch unglückliche Umstände kam es zu einer explosionsartigen Verpuffung, wodurch die Außenwände regelrecht nach außen gedrückt wurden und die Deckenkonstruktion mitsamt dem darüberliegenden Dachstuhl auf zwei Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Jois herabstürzten. Dabei wurde einer der Feuerwehrmänner leicht verletzt, der andere so schwer, dass er mit dem Notarzthubschrauber in ein Spital geflogen werden musste.

Nach diesem tragischen Vorfall wurden die Reste des Objektes komplett abgetragen. Heute erinnert einerseits die Eckausbildung der Stützmauer zur Aufbahrungshalle an den Standort des Kühlhauses und andererseits die Teletext-Meldung (siehe Fotos „Teletextmeldung, 2008“) an die tragischen Begebenheiten an dieser Stelle.

Nr. 12

Lattes- oder Brucker Hof

Bekanntester Edelhof im Ortskern von Jois

Was ist ein Edelhof?
Es ist bekannt, dass es in Jois einige Edelhöfe gegeben hat. Das Wort Edelhof kommt vom Wort edel, das wieder von adelig, also von Adel abgeleitet wird. Ursprünglich wurden solche Höfe vom König als obersten Grundherrn an verdiente Personen verliehen. Der König schenkte Rittern, Adeligen, hohen Beamten oder Offizieren solche Besitzungen, um sie zu entlohnen bzw. für ihre Erfolge auszuzeichnen. Diese Höfe wurden auch Freihöfe genannt, weil sie von Abgaben und anderen Dienstleistungen an den Grundherrn befreit waren. 

Bekanntester Edelhof von Jois
Es ist nicht ganz klar, wie viele Edel- oder Freihöfe es in Jois im Laufe der Zeit gegeben hat. Im Urbar (=Verzeichnis über die Besitzrechte einer Grundherrschaft und die zu erbringenden Leistungen ihrer Grunduntertanen) des Jahres 1525 werden vier Edelhöfe angegeben, ebenso in einem Bericht aus dem Jahr 1718. Der Große Bruckerhof wird im Urbar als Latteshof erwähnt. Er ist einer der ältesten Edelhöfe in Jois. 

Von 1555 bis 1914 war er im Besitz der Stadt Bruck an der Leitha. Das Gebäude, eine zweiflügelige Anlage mit älterem, zumindest in das 16. Jahrhundert zurückreichenden Baukern, geht in seiner bestehenden Form auf das 17. Jahrhundert zurück. Die barocke Raumaufteilung und Ausstattung hat sich im Inneren nahezu unverändert erhalten. Vom 18. bis 20. Jahrhundert erfolgten laufende Adaptierungen.

Zum Hof gehörte ehemals auch die Latteshof-Wiese, ein Fischwasser am See und das Bergrecht von etlichen Weingärten.

Frühere Besitzer
Im 15. und 16. Jahrhundert war er im Besitz von bedeutenden Räten der Königin Maria von Ungarn. Zunächst besaß ihn Ritter Wilhelm Enzersdorffer (2. Hälfte 15. Jahrhundert) und später Hauptmann Jakob von Stamp (1532 – 1555). Letzterer war auch im Besitz des Kleinen Bruckerhofes in der Unteren Hauptstraße 38a – 40c (siehe Station 30). 

Großer Brand von 1836
Am Abend des 22. Jänner 1836 war in Jois ein Großfeuer ausgebrochen. Innerhalb einer Stunde wurden 24 Bauernhäuser, drei Kleinhäusler, der große Brucker Edelhof und das Schulhaus eingeäschert. Der Bruckerhof war damals von elf Parteien bewohnt. Personen und das Vieh kamen nicht zu Schaden. Allerdings verbrannten in den Scheunen die Futtervorräte.

Der Große Bruckerhof im 20. Jahrhundert
Am 29. Dezember 1914 wurde der Große Bruckerhof an die Heeresverwaltung übergeben bzw. 1930 dem Ehepaar Michael und Anna Hackl verkauft, die ihn später an ihren Sohn Emmerich vererbten. 1969 ging er durch Kauf in den Besitz von Leonhard Wetschka und seine Familie über.

Äußeres Erscheinungsbild
Die Straßenfassade weist sechs Fensterachsen auf. Die mit einem Rundbogen gerahmte Einfahrt ist in der vierten Fensterachse situiert. Nach der Einfahrt weist die Straßenfront einen Knick auf. An der Fassade sind generell 2-flügelige, nach außen öffnende Holzkastenfenster mit Oberlichten vorhanden. Die Fensterflügel und Oberlichten sind mit Sprossen geteilt. Die Fenster sind mit Putzfaschen bzw. mit Steingewänden gerahmt. 

Ehemals bemerkenswerte Fassadengestaltung
Wie auf alten historischen Fotos zu erkennen ist, war die Fassadenfläche im Erdgeschoss ehemals mit waagrechten Putznuten gegliedert. Im Obergeschoss wurde die glatte Putzfläche durch doppelte Putzlisenen unterteilt. An den Gebäudeecken waren ums Eck geführte Bossen vorhanden. Ein profiliertes Traufgesims, welches heute noch sichtbar ist, ist vorhanden. Die heute noch existierende Dacheindeckung ist vermutlich die ursprüngliche, bestehend aus glatten rechteckigen Ziegeltaschen.

Die Fassade scheint aufgrund der Farbunterschiede der Fotos mehrfärbig gestaltet gewesen zu sein. An den Giebelflächen ist ein “Katzensteig” (manchmal auch als „Katzenstiege“ bezeichnet) als abgetreppter Ziegelverband sichtbar. Die Dachfläche wird durch mächtige mehrzügige Kamine durchdrungen.  Seinerzeit waren Storchennester an den Kaminköpfen angebracht.

Literatur
Franz Hillinger, Jois – 800 Jahre und mehr, hg. von der Marktgemeinde Jois, Jois 2008, S. 164, 222-224

Sog. Lattes oder Brucker Hof, in: Adelheid Schmeller-Kitt, Die Kunstdenkmäler Österreichs: topographisches Denkmälerinventar: Burgenland, hg. vom Bundesdenkmalamt, Wien 1980, S. 372-373.

Nr. 48
Errichtet
1455 urkundlich erwähnt
Eigentümer
Familie Wetschka